Eine Raue Gleite ist ein wasserbauliches Bauwerk, mit dem ein vorhandener Höhenunterschied innerhalb eines Fließgewässers über eine längere Strecke abgebaut wird. Im Gegensatz zu einem Wehr, bei dem der Höhenunterschied auf engem Raum überwunden wird, verteilt sich das Gefälle bei einer Rauen Gleite auf einen längeren Gewässerabschnitt.
Die Sohle der Rauen Gleite wird aus unterschiedlich großen Natursteinen und weiteren strukturgebenden Elementen aufgebaut. Dadurch entsteht eine raue und abwechslungsreiche Gewässersohle mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen. Die Anordnung der einzelnen Elemente sorgt dafür, dass die Strömungsenergie schrittweise abgebaut und das Wasser kontrolliert durch den Gewässerabschnitt geführt wird.
Im Zuge der naturnahen Umgestaltung der unteren Werre soll die Raue Gleite das bestehende Sielwehr ersetzen. Nach dem Rückbau des Wehrs muss der vorhandene Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser weiterhin sicher überwunden werden. Diese Funktion übernimmt künftig die Raue Gleite.
Neben der hydraulischen Funktion verbessert die Raue Gleite insbesondere die ökologische Durchgängigkeit des Gewässers. Fische und andere Wasserorganismen können den Höhenunterschied über den neu gestalteten Gewässerabschnitt überwinden, ohne auf eine feste Barriere zu treffen. Gleichzeitig entstehen durch die unterschiedlichen Strömungs- und Tiefenverhältnisse zusätzliche Lebens- und Rückzugsräume.
Die Raue Gleite verbindet damit wasserbauliche Anforderungen mit einer naturnahen Gestaltung des Gewässers und ist ein wesentlicher Bestandteil der Umgestaltung der unteren Werre.

